Schleswig-Holstein
Der Supermarkt ist nicht meine Zukunft
Krempdorfer Obsthof
- Website
- krempdorfer-obsthof.de
- Adresse
- Dorfstr. 61, 25376 Krempdorf
- Termin
- Do., 8. Oktober14–17 Uhr
- Stand
- Auf dem eigenen HofDorfstr. 61, 25376 Krempdorf
- Presse
- Henning Harms
„Da findet die Wertschöpfung irgendwo anders statt.“
Henning Harms ist 37 Jahre alt, verheiratet und Vater einer Tochter. Seit 2014 führt er den Familienbetrieb. Schwerpunkt sind Äpfel und Süßkirschen, dazu kommen Birnen, Zwetschen und Kürbisse. Was sich verändert hat, beschreibt Harms nüchtern. Die Konsequenz ist trotzdem deutlich: Sein Betrieb zieht sich immer stärker aus dem klassischen Handel zurück.
Früher lag der Schwerpunkt beim Apfel und in der indirekten Vermarktung. Heute setzt Harms auf mehr Kulturen, mehr Sorten – und vor allem auf Direktvermarktung. Mehr als die Hälfte der früheren Apfelfläche ist inzwischen verschwunden. Auch bei bekannten Apfelsorten wie 'Elstar' oder 'Gala' und Süßkirschen gilt: Angebaut wird möglichst nur noch so viel, wie sich selbst vermarkten lässt. „Im Moment sehe ich da nicht meine Zukunft“, sagt Harms über den Verkauf über Supermärkte.
Denn dort bleibt für den Erzeuger oft zu wenig übrig. Bei Äpfeln, sagt Harms, sei der Auszahlungspreis für ihn „knapp überlebensfähig“, während im Supermarkt ein deutlich anderes Preisschild stehe. „Da findet die Wertschöpfung irgendwo anders statt.“ In der Direktvermarktung dagegen hat er zumindest weitgehend die Hoheit über den Preis.
Doch dieser Ausweg funktioniert nicht für alle. Harms liegt außerhalb eines klassischen Obstbaugebiets und kann Hofladen und Verkaufsstände nutzen. In Regionen, in denen Obstbaubetrieb neben Obstbaubetrieb liegt, lässt sich nicht die gesamte Ernte direkt verkaufen. Seine Einschätzung ist klar: „Ich glaube nicht, dass das jeder kann. Dann wird es weniger werden.“
Gleichzeitig wächst der Druck. Saisonarbeitskräfte sind schwerer zu finden und bei den heutigen Löhnen schwieriger zu bezahlen. Früher reichten wenige Telefonate, um eine Mannschaft zusammenzubekommen. Heute ist deutlich mehr Aufwand nötig – und selbst dann ist nicht sicher, ob alle kommen und bis zum Ende der Saison bleiben. Auch der Mindestlohn, sagt Harms, „macht mir zu schaffen“. Zugleich ist die Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln ein großes Problem.
Hinzu kommt das Wetter. Hagel, steigende Temperaturen und die Wasserverfügbarkeit machen den Anbau unsicherer. Beim Apfel sieht Harms derzeit die größten klimatischen Herausforderungen.
Harms will weitermachen. Aber nicht mehr nach dem alten Prinzip: je größer, desto besser. Sein Betrieb passt sich an, reduziert Flächen und sucht sich die Nischen, in denen noch auskömmliche Preise möglich sind. Die Frage ist nur: Wie viele Betriebe können diesen Weg überhaupt gehen?

